Archiv der Kategorie 'Veranstaltungen'

Veranstaltungsreihe: Fußball ist Männersache?! Kritische Veranstaltungsreihe zu Sexismus im Fußball

Kapitale Zweisamkeit – Zu einer materialistischen Kritik der Geschlechterverhältnisse

Vortrag und Diskussion mit Lars Quadfasel

Feministische Kritik erscheint heutzutage den meisten als Überbleibsel aus grauer Vorzeit: peinliche Erinnerung an die Zeit der lila Latzhosen. Und in der Tat – die gesetzlichen Diskriminierungen, die den Ausschluss der Frauen aus der Öffentlichkeit besiegelten, sind, zumindest in den Metropolen, genauso beseitigt wie die altehrwürdigen Vorrechte des pater familias. Professorinnen, Ingenieurinnen oder Bundeskanzerinnen lösen kein allgemeines Staunen und Kopfschütteln mehr aus; Mädchen werden vielmehr ermutigt, in so genannte »Männerberufe« vorzudringen; und wer heute noch so über Frauen redet, wie es im Zeitalter der Hausfrauenehe und des Herrenwitzes üblich war, erntet in der Regel einen Sturm der Entrüstung. Das gilt erst recht in der Linken. Wo früher despektierlich von ›Nebenwidersprüchen‹ die Rede war und ›freie Sexualität‹ vor allem die Verfügungsgewalt der Avantgardekader über das weibliche Fußvolk meinte, kommt heute niemand mehr um Fragen der Sexualität, der Familie, der Kindererziehung, der Reproduktion herum. Kurz: Wenn das grauenvolle 20. Jahrhundert irgendeinen unbezweifelbaren Forschritt mit sich gebracht hat, dann den, dass bei der Befreiung der Menschheit deren eine Hälfte nicht mehr vergessen werden kann.

So recht glücklich scheint dennoch niemand mit dem erreichten Stand der Emanzipation zu sein. Trotz Mädchentag und Gendermainstreaming verdienen Frauen weiterhin im Durschnitt weniger und die traditionellen Männerklüngel existieren fort; der Mainstream kreist geradezu hysterisch um Fragen geschlechtlicher Identität; und insgeheim schielt man (und manchmal auch frau) neidisch dorthin, wo sich – im Zeichen islamischer, aber auch christlicher Erweckungsbewegungen – mittels brutal durchgesetzter Geschlechterapartheid eine Art Krisenpatriarchat etabliert. Der Feminismus scheint dem hilflos gegenüberzustehen: Was sich nicht als sozialdemokratische Gleichstellungspolitik institutionalisiert hat, das driftet in eine (nicht selten für noch jede nicht-autochtone Barbarei aufgeschlossene) poststrukturalistische Esoterik ab.

Demgegenüber soll der Vortrag darin einführen, wie eine materialistische Kritik des bürgerlichen Geschlechterverhältnisses zu fassen wäre – und warum diese sich zu stützen hätte auf das, was in der Postmoderne selbst in den Ruch des Patriarchalen geraten ist: die Marx’sche Kritik der politischen Ökonomie wie die Freud’sche Psychoanalyse. Dargestellt werden soll, mit anderen Worten, warum das Elend von Männlichkeit und Weiblichkeit nur an seiner kapitalen Wurzel zu packen ist: an der widersprüchlichen Einheit von Produktion und Reproduktion, von Wertform und geschlechtlicher Arbeitsteilung, und an der Bedeutung der geschlechtlichen Identifizierung fürs scheinbar so geschlechtslose bürgerliche Subjekt. Abschließend soll es um die Repräsentation von sex und gender in Zeiten der individuellen Selbstoptimierung gehen – für die nicht zufällig Sport eine so herausragende Rolle spielt.

Dienstag 2.September – Einlass: 19:30 Uhr, Beginn 20:00 Uhr

New Girls in the Block – Frauen in der Ultraszene

Vortrag und Diskussion mit Heidi Thaler

Ultras: verwegene Jungs in Kapuzensweatern, Turnschuhen und Sonnenbrille. Angehimmelt, verhasst aber immer eine Aufregung wert! Während es als normal erscheint, dass mit Ultras Männer gemeint sind, gelten Frauen in der Szene immer noch als eine Art Sonderfall, Ausnahmeerscheinung. Sie müssen sich erst einmal erklären, oft rechtfertigen und für allerlei (Männer-)Fantasien herhalten. Das liegt einerseits an den erfolgreichen Versuchen, den Fußball als immer schon und immer noch männliche Sportart zu verkaufen. Andererseits kratzen laute, selbstbewusste, auf Zäunen sitzende Frauen am bestehenden Weiblichkeitsbild.
Und wenn emanzipierte Frauen jetzt nicht nur die Universitäten, Kommandozentralen und Chefetagen, sondern auch noch die Stadionzäune erklimmen – ja wo kommen wir denn da hin!?
Heidi Thaler widmet sich in ihrer Doktorarbeit genau diesem Thema. Ihr Vortrag basiert auf zahlreichen Interviews mit weiblichen (und männlichen) Ultras aus Deutschland, Österreich, Italien und Polen. Er gibt Einblicke in Ausschlussmechanismen, zeigt aber auch, wie viele Möglichkeiten der „Freiraum Stadion“ für Frauen und Männer bietet, um klassischen Rollenklischees ein Schnippchen zu schlagen.

Dienstag 16.September – Einlass: 19:30 Uhr, Beginn 20:00 Uhr

Filmvorführung: Football Under Cover

Vor mehr als 1000 jubelnden Frauen findet in Teheran das erste offizielle Freundschaftsspiel zwischen der Iranischen Frauen-Nationalmannschaft und einer Berliner Mädchenbezirksmannschaft statt. Vor diesem Ereignis liegt ein Jahr harter Arbeit für die jungen Frauen der beiden Mannschaften. Doch am Ende, nach Überwindung zahlreicher Hindernisse, wird tatsächlich gespielt. Und diese 90 Minuten sind mehr als ein Fußballspiel. Hier entlädt sich der Wunsch nach Selbstbestimmung und Gerechtigkeit, und es wird klar: Veränderung ist möglich.

Donnerstag 25.September – Einlass: 19:30 Uhr, Beginn 20:00 Uhr

►Alle Veranstaltungen finden im Djäzz Jazzkeller, Börsenstraße 11, 47051 Duisburg statt.

► Die Veranstaltungsreihe wird vom ASTA der Universität Duisburg-Essen unterstützt.

Filmvorführung: „We don‘t like Samba“

„We don’t like Samba“
… ein Film über die Proteste im Vorfeld der Fußball WM in Brasilien

► Bis vor wenigen Jahren galt Brasilien als krisenfest und Shooting-Star der BRIC-Länder. Aber nur ein Jahr vor der Fußball-WM und drei Jahre vor den olympischen Spielen knallt es: Im Juni 2013 kommt es nach Fahrpreiserhöhungen im öffentlichen Nahverkehr zu den größten Massendemonstrationen seit Jahrzehnten.
Inspiriert von den Aufständen verbreiten sich soziale Kämpfe wie ein Lauffeuer in Brasilien: Arbeiter_innen treten in wilde Streiks, junge Frauen mobilisieren gegen den Papstbesuch, Mega-Urbanisierungsprojekte werden angegriffen, Favelabewohner_innen wehren sich gegen Vertreibung und Militarisierung. «Wir sind keine Sambatänzer», sagten die streikenden Müllmänner «Garis» in einem Interview, sondern «wir sind Rebellen». Diese und andere Rebellen kommen in «We dont like samba» zu Wort und erzählen ihre Geschichte.

► Infos über den Film: http://wedontlikesamba.wordpress.com

Donnerstag 21.August – Einlass: 19:30 Uhr – Beginn: 20:00 Uhr – Eintritt frei

Syntopia, Gerokstr. 2 , 47053 Duisburg-Hochfeld

Veranstaltungsreihe : „Is doch nur Fußball ?!“ Kritische Betrachtung der Männer WM 2014 in Brasilien

Von Özil und Khedira – Fußball zwischen sozialer Inklusion, Rassismus und kosmopolitischen Wurzeln
Vortrag und Diskussion mit Gerd Dembowski

Das Gesicht der deutschen Männer-Nationalelf hat sich in den letzten Jahren erheblich verändert. Ist Fußball ein Vorbild für so etwas wie gelebte soziale Inklusion oder funktioniert das nur, solange die deutschen Stars mit Migrationshintergrund gut spielen? Und wie sieht das im Amateurfußball aus? Dembowski gibt vor allem einen Einblick in die Kluft zwischen der ‘Top-Elf’ des deutschen Fußballs und migrantischer Selbstorganisation im Amateurfußball, in Vorurteile und Konflikte, die sich darum ranken.
Wie gehen Fußballfans und wie geht der Deutsche Fußball-Verband mit den Anforderungen einer Gesellschaft im ständigen Wandel um? Der Vortrag beleuchtet darüber hinaus den diesbezüglichen Wandel der Bundesliga sowie die kosmopolitischen Wurzeln des Fußballs auf dem europäischen Kontinent. Auszugsweise liest er aus seinem mit Diethelm Blecking zusammen herausgegebenen Buch „Der Ball ist bunt. Fußball, Migration und die Vielfalt der Identitäten in Deutschland“.

Mittwoch 28.Mai – Beginn : 20:00 Uhr – Eintritt frei
AZ Mülheim , Auerstr. 51 , 45468 Mülheim an der Ruhr

„Schwarz-rot-geil“. Nationalismus oder Patriotismus während der WM 2006?
Vortrag und Diskussion mit Mark Haarfeldt

Im Sommer 2006 brach hierzulande eine scheinbar nie dagewesene Euphorie aus, die Hunderttausende erfasste. „Ihr Deutschen seid Schwarz-Rot-Geil“, wie es die Bild-Zeitung formulierte, war eine Deutung, die den ekstatischen Zustand umschrieb. Schnell wurden die Spiele der deutschen Nationalmannschaft zu Massenveranstaltungen, bei denen die deutschen Nationalfarben und „Flagge zeigen“ wieder modern waren. Das „Sommermärchen“, wie es im Nachhinein tituliert wurde, war geboren und implizierte eine gewaltlose, friedliche und vor allem stolze deutsche Nation, die nun ungeniert von ihrer Bevölkerung unterstützt wurde.
Trotz dieser medialen und realen Aufregung brach parallel eine Diskussion aus, die sich mit dem „neuen Nationalbewusstsein“ auseinandersetzte. Die Kritik richtete sich vor allem gegen eine Nationalisierung der Gesellschaft sowie den unreflektierten Umgang mit den Verbrechen des Deutschen Reiches während des Zweiten Weltkrieges. Die Diskussion um den Umgang mit der eigenen Nation dreht sich deshalb überwiegend um die Definition der Begriffe Nationalismus und Patriotismus und deren inhaltliche Füllung. Ob es sich hierbei um das „unverkrampfte Verhältnis“ zur Nation Deutschland handelt oder doch eine innere Sehnsucht nach einem starken Nationalismus impliziert, will der Vortrag thematisieren.

Mittwoch 4.Juni – Beginn : 20:00 Uhr – Eintritt frei
AZ Mülheim , Auerstr. 51 , 45468 Mülheim an der Ruhr

Hakenkreuz und rundes Leder
Lesung und Diskussion mit Dietrich Schulze-Marmeling

Auch der deutsche Fußball ließ sich vom nationalsozialistischen System mehr oder weniger reibungslos gleichschalten. Wie aber funktionierte diese beschämende Anpassung? Wie verhielt sich der DFB, wie die großen Vereine konkret? Welchen Verfolgungen waren jüdische und linke Fußballer ausgesetzt? Gab es Handlungsspielräume, die nicht genutzt wurden? Gab es andererseits heimliche Obstruktion gegen die allgegenwärtige Diktatur? Und wie hat der DFB nach 1945 seine eigene Vergangenheit aufgearbeitet?
An dem vorliegenden Buch arbeiteten zahlreiche namhafte Sporthistoriker und Journalisten unterschiedlicher politischer Couleur mit. Dabei entstand eine umfassende, facettenreiche Darstellung, die deutlich über die bisher vorgelegten Studien hinausgeht. Neben dem DFB werden Vereine betrachtet wie Schalke 04, Bayern München, Hannover 96, Hamburger SV, Eintracht Frankfurt, 1. FC Nürnberg sowie die großen Wiener Clubs.

Dienstag 10.Juni – Beginn : 20:00 Uhr – Eintritt frei
Djäzz Jazzkeller Duisburg, Börsenstrasse 11, 47051 Duisburg


►Fußball-WM 2014: Im Würgegriff der FIFA?
Vortrag und Diskussion mit Prof. Dr. Jürgen Mittag

Herausragende Sportgroßveranstaltungen wie Fußballweltmeisterschaften oder Olympische Spiele erzeugen beträchtliche mediale Aufmerksamkeit und bieten damit eine Projektionsfläche, auf der Initiatoren, Veranstalter und Politiker versuchen, spezifische Interessen zu realisieren. Dem stehen in jüngster Zeit jedoch verstärkt gesellschaftliche Proteste gegenüber, die sowohl die Hoffnungserwartungen und unterstellten Gewinne, als auch die Rolle der handelnden Akteure hinterfragen. Mit Blick auf die Bandbreite an sozialen, politischen und ökonomischen Kontroversen im Vorfeld der Weltmeisterschaft 2014 erläutert der Vortrag Potenziale und Grenzen der WM 2014 und der Olympischen Spiele 2016 in Brasilien. Besondere Beachtung wird in diesem Zusammenhang der Rolle der FIFA gewidmet.

Dienstag 17.Juni – Beginn : 20:00 Uhr – Eintritt frei
Djäzz Jazzkeller Duisburg, Börsenstrasse 11, 47051 Duisburg

Vortrag : Fußballfans zwischen DDR und Wende

Rowdytum und Politik. Fußballfans zwischen DDR und Wende

Vortrag und Diskussion mit Mark Haarfeldt

Als es Anfang Oktober 1989 in Dresden am Hauptbahnhof zu schweren Ausschreitungen zwischen Demonstranten und der Volkspolizei kam, waren auch zahlreiche Anhänger der SG Dynamo Dresden dabei. Auch in Leipzig folgten Fußballfans den Aufruf zu den Montagsdemonstrationen, die das Ende der DDR einläuteten. In den folgenden Monaten implodierte die DDR. Ist die Zeit bis zur Vereinigung zwischen BRD und DDR als friedliche Revolution in die Geschichtsbücher eingegangen, gab der Fußball in den zwei letzten Saisons der DDR-Oberliga ein völlig anderes Bild ab. Hooligangruppen, ausgerüstet mit neonazistischen Devotionalien, dominierten die Kurven und sorgten für gewalttätige Szenen auf den Rängen und um die Stadien herum. Der Fußball in den neuen Bundesländern hatte ein Gewaltproblem.
Doch woher kamen die gewaltbereiten Jugendlichen, die zuerst zum Fußball gingen und dann in den Innenstädten Jagd auf Migranten oder Linke machten? Die Fußballfankultur in der DDR nahm seit den 1970er Jahre einen hohen Stellenwert vor allem bei männlichen Jugendlichen ein. Die internationalen Erfolge der DDR-Clubs begeisterten zehntausende Menschen und schufen zugleich nun den Raum für Artikulationen außerhalb des konformistischen Verhaltenskodex der SED. Der Staat reagierte mit repressiven Maßnahmen. Hunderte Fußballfans erhielten hohe Haftstrafen. Der Fußball der DDR wurde zum Ort, eine oppositionelle Meinungen affektiv zu artikulieren.
Neben den antikommunistischen Parolen mischten sich immer mehr nationalistische Töne. Der Zusammenbruch der DDR katalysierte diesen Trend enorm. Durch die Unterstützung von westdeutschen Neonazikadern etablierte sich schnell eine Struktur, die nicht nur beim Fußball, sondern auch bei anderen Gelegenheiten mit Gewalt gegen „Feinde“ vorging.

Donnerstag 17.April – Beginn : 19:30 Uhr – Eintritt frei

Djäzz Jazzkeller Duisburg, Börsenstrasse 11, 47051 Duisburg

Vortrag : Fußball und Kapitalismus

Fußball und Kapitalismus – Es gibt keinen richtigen Ballsport im Falschen

Vortrag und Diskussion mit Jan Tölva

Vielen Fußballfans ist die „Kommerzialisierung“ des Sports, respektive des Profifußballs in den oberen Ligen ein Dorn im Auge. Allerorts lassen sich Plakate und Aktionen dagegen finden. Irgendetwas scheint aus der Sicht der Fans falsch zu laufen. Leider verbleibt die Kritik meist jedoch in einer sehr verkürzten Form und ist folglich kaum geeignet, die Probleme wirkungsvoll anzugehen. Im Dunkeln bleibt dabei oftmals, was es eigentlich überhaupt mit dieser „Kommerzialisierung“ auf sich hat. Noch weniger im Fokus steht die Diskussion, woher das Problem rührt und wie der Fußball im kapitalistischen System funktioniert.
Der Vortrag soll aufzeigen, dass auch der Profisport lediglich eine Ware ist, welche auf dem Markt konkurriert. Folglich muss eine Kritik an Verhältnissen innerhalb des Sports stets auch eine Kritik an den herrschenden Verhältnissen implizieren. Daher soll der Vortrag ebenfalls die Widersprüchlichkeiten in Handeln und Argumentieren vieler Fußballfans aufgreifen und darlegen.

Referent: Jan Tölva ist Soziologe, freier Journalist und Fußballfan und lebt in Berlin

Dienstag 25. März – Beginn : 19:30 Uhr – Eintritt frei

Djäzz Jazzkeller Duisburg, Börsenstrasse 11, 47051 Duisburg