Vortrag : Fußballfans zwischen DDR und Wende

Rowdytum und Politik. Fußballfans zwischen DDR und Wende

Vortrag und Diskussion mit Mark Haarfeldt

Als es Anfang Oktober 1989 in Dresden am Hauptbahnhof zu schweren Ausschreitungen zwischen Demonstranten und der Volkspolizei kam, waren auch zahlreiche Anhänger der SG Dynamo Dresden dabei. Auch in Leipzig folgten Fußballfans den Aufruf zu den Montagsdemonstrationen, die das Ende der DDR einläuteten. In den folgenden Monaten implodierte die DDR. Ist die Zeit bis zur Vereinigung zwischen BRD und DDR als friedliche Revolution in die Geschichtsbücher eingegangen, gab der Fußball in den zwei letzten Saisons der DDR-Oberliga ein völlig anderes Bild ab. Hooligangruppen, ausgerüstet mit neonazistischen Devotionalien, dominierten die Kurven und sorgten für gewalttätige Szenen auf den Rängen und um die Stadien herum. Der Fußball in den neuen Bundesländern hatte ein Gewaltproblem.
Doch woher kamen die gewaltbereiten Jugendlichen, die zuerst zum Fußball gingen und dann in den Innenstädten Jagd auf Migranten oder Linke machten? Die Fußballfankultur in der DDR nahm seit den 1970er Jahre einen hohen Stellenwert vor allem bei männlichen Jugendlichen ein. Die internationalen Erfolge der DDR-Clubs begeisterten zehntausende Menschen und schufen zugleich nun den Raum für Artikulationen außerhalb des konformistischen Verhaltenskodex der SED. Der Staat reagierte mit repressiven Maßnahmen. Hunderte Fußballfans erhielten hohe Haftstrafen. Der Fußball der DDR wurde zum Ort, eine oppositionelle Meinungen affektiv zu artikulieren.
Neben den antikommunistischen Parolen mischten sich immer mehr nationalistische Töne. Der Zusammenbruch der DDR katalysierte diesen Trend enorm. Durch die Unterstützung von westdeutschen Neonazikadern etablierte sich schnell eine Struktur, die nicht nur beim Fußball, sondern auch bei anderen Gelegenheiten mit Gewalt gegen „Feinde“ vorging.

Donnerstag 17.April – Beginn : 19:30 Uhr – Eintritt frei

Djäzz Jazzkeller Duisburg, Börsenstrasse 11, 47051 Duisburg